Sonntag, 17. September 2017

Im Tiefschlaf
















Der Flieger kommt zwar von einer Pleitefirma, hebt in Palma aber trotzdem rechtzeitig ab und holt dank Rückenwind sogar fünfzehn Minuten raus. Die Gepäckausgabe am Hamburger Flughafen ist gar nicht so lahmarschig wie viele behauptet haben und unser freundlicher afghanischer Taxifahrer schafft den Heimweg in der gleichen Zeit wie ich, wenn ich es sehr eilig habe.

Rein theoretisch müsste ich nur die Koffer nach oben wuppen und mich in den nächsten Bus setzen, dann würde ich es noch bis zum Anstoß ins Stadion schaffen. So war das eigentlich auch geplant, aber wie so häufig habe ich meine Kondition gnadenlos überschätzt. Wäre die Woche Mallorca so etwas wie Erholungsurlaub gewesen, mit lange ausschlafen und rumgammeln bis die Bars wieder öffnen, vielleicht dann.

Aber nach nur drei Stunden Halbschlaf zum Flughafen fahren, die Leihkarre ab- und die Koffer aufgeben, den Sicherheitsschleusenterror hinter sich bringen und absurde Kaffeepreise ertragen ist auch irgendwann mal gut. Das Bett sieht einfach zu verlockend aus, ich muss da rein jetzt. Sofort. Trotz Heimspiel.

Nach fünf Stunden geradezu komatösen Tiefschlafs von einer 0:4 Pleite zu erfahren ist zwar äußerst unerfreulich, aber dafür hat man halt auch nicht viel verpasst.
Ich war wohl nicht als einziger im Tiefschlaf heute.


Foto dazu: Flughafen Palma, Fuji X100F, geknipst & gesponsert von xs4all
Bier dazu: lieber keins 
Musik dazu: The Bright Light Social Hour - The Bright Light Social Hour / Space Is Still The Place

Dienstag, 5. September 2017

Behörde mit Service














Behördengänge gehören eindeutig zu meinen Top 10 der unbeliebtesten Tätigkeiten überhaupt. Ganz oben auf der Liste des Schreckens steht die Verkehrsbehörde in Hamburg, oder Landesbetrieb Verkehr, wie das inzwischen heißt. Zwar war ich nur ein einziges Mal in meinem Leben in diesem Laden und das ist gut 40 Jahre her, doch wie man erkennen kann hat das nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Sicherlich werden die dort heute nicht mehr mit Rohrpost arbeiten (obwohl man sich bei Behörden nie sicher sein sollte), aber schon der Gedanke an die heimelige Nachbarschaft aus Gebrauchtwagenhändlern, Auto-Exporteuren, Schrottplätzen, Ersatzteillagern und Schilderdruckern sowie die Suche nach einem Parkplatz irgendwo in der näheren Umgebung ist schrecklich genug, auch ohne den abendlichen Straßenstrich der Süderstraße. Dazu kommen noch mindestens drei Wochen Wartezeit auf einen Termin. Grau-en-haft!

Aber ein Jahr mit 'nem auswärtigen Kennzeichen herumfahren reicht, ich brauche wieder mein FC am Auto, mit der dazugehörigen Totenkopferweiterung. Obwohl so ein "ich kenn mich hier nicht aus" Kennzeichen in manchen Situationen ganz praktisch sein kann. Ortsfremden gegenüber sind die meisten Hamburger Autofahrer jedenfalls erheblich zuvorkommender, was spontane Spurwechsel deutlich erleichtern kann.

Dennoch wollte ich das längst erledigt haben und zu meiner großen Überraschung hätte ich das auch längst erledigt haben können, denn im Landesbetrieb Verkehr sind inzwischen richtig moderne Zeiten ausgebrochen. Computer! Internet! Service! Man muss da gar nicht hin! Erwähnte ich den Service schon?

Man muss sich nur beim Gateway Hamburg als Bürger registrieren, den ganzen Datenschrott eingeben von Versicherungsnummer bis Wunschkennzeichen, knapp 80 Euro an Gebühren zahlen, sich ein (exakt einzuhaltendes) Übergabedatum in einer der sechs Partnerfilialen aussuchen, dort Zulassung und alte Kennzeichen gegen neue Papiere und neue Kennzeichen tauschen und fertig ist der Lack. Innerhalb von drei Tagen erledigt, man glaubt es kaum.

Als Kirsche auf der Torte stellt sich dann noch heraus, dass eine der Partnerfilialen mein sehr geschätzter Tabakhöker an der nächsten Ecke ist. Es gibt einfach nichts, was Shabani nicht besorgen kann - und wenn es neue Kennzeichen sind.

Bier dazu: Riegele Amaris 50, Kellerpils 5.0%
Musik dazu: Porcupine Tree - Voyage 34: The Complete Trip