Freitag, 30. Juni 2017

Alles so schön bunt hier
















Selbst Nina Hagen würde hier nicht groß auffallen, inmitten der vielen bunten Teilnehmer der STAMP Parade. Musikalisch würde sie allerdings aus dem Rahmen fallen, als Notenfarbkleks im dauernden Getrommel der Sambaklopfer. Auffälliger jedenfalls als viel Schminke im Gesicht, denn das haben hier sehr viele. Dazu noch bunte Gewänder, merkwürdige Hüte und skurrile Masken, es gibt Schachfiguren auf Stelzen, fliegende Fische aus Seide und Bambus, hüpfende Augen, brasilianischen Karneval und bolivianische Tänzer, man kann sich gar nicht satt sehen. 

Wäre ich nicht verabredet gewesen hätte ich diesen Spaß verpasst, denn die üblichen Internetwetterpropheten sagten bedeckten Himmel und hohe Regenwahrscheinlichkeit voraus, doch da gibt es ja immer noch Windfinder.com und wie immer liegen die richtig, es gibt Sonne satt. Also fast perfekt alles, bis auf die Laufstrecke. Die sollte man vielleicht in Zukunft nach Ottensen verlegen, oder auf die Elbchaussee, wegen der schöneren Hintergründe. Die Einkaufsmeile Große Bergstraße ist jedenfalls weder mit noch ohne Ikea besonders attraktiv.

Und das hat diese Parade einfach nicht verdient.


Fotos dazu: STAMP Parade 2017, Nikon D90
Bier dazu: Einstök Icelandic White Ale, 5.2%
Musik dazu: Marcus Wiebusch - Konfetti. 
     


































Samstag, 24. Juni 2017

Die weiße Parade
















Einer der Höhepunkte des STAMP Festivals soll die weiße Parade sein, die am Samstag Abend um 22 Uhr vom Bruno-Tesch-Platz bis zum Festivalzentrum läuft - und nur aus diesem Grund hänge ich hier immer noch rum und suche einen günstigen Platz zum fotografieren. Wie ungefähr hundert andere Menschen auch, die meisten mit Smartphones bewaffnet.

Wahrscheinlich ist es gar nicht mal so eine blöde Idee so etwas zu filmen, bei den Fotos muss man wieder so viel am ISO Regler rumschrauben. Jedenfalls wenn man sich wegen des schöneren Hintergrundes unter Bäume begibt, die das spärliche Restlicht schlucken. Auf Fotos fehlt auch immer etwas die Geräuschkulisse, denn selbstverständlich kommt auch die weiße Parade nicht ohne Taramtamtam aus.

Dabei wäre der Lärm gar nicht nötig gewesen, leuchtende Menschen auf Stelzen sind ohnehin kaum zu übersehen. Die Parade ist schon aus großer Entfernung auszumachen, braucht aber dennoch recht viel Zeit für die Strecke, was einem die Gelegenheit gibt immer mal wieder ein paar Schritte zu gewinnen. Dadurch zieht sich der ganze Spaß allerdings auch ziemlich in die Länge und nach einer halben Stunde rennen und knipsen bin ich kaputt. Muss reichen für heute.

Nächstes Jahr bin ich eh garantiert wieder hier. Wo kriegt man sonst schon leuchtende Menschen zu sehen? 


Fotos dazu: STAMP Festival 2017, Weiße Parade
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, Red IPA, 6.7%
Musik dazu: 17 Hippies - Sirba / El Dorado













 


Dienstag, 20. Juni 2017

Street Arts Melting Pot
















Zum Altonale Straßenfest habe ich es in den letzten Jahren eigentlich immer geschafft, nur das im Vorwege stattfindende STAMP Festival mit seinen Paraden verpasse ich regelmäßig, wegen der unchristlichen Zeiten. Wer die Weiße Parade am Samstag sehen will muss bis mindestens 23 Uhr durchhalten, da kann zumindest ich nicht einen halben Tag vorher durch die Gegend laufen. Folglich fahre ich erst am späten Nachmittag los, in der Hoffnung trotzdem noch etwas Straßenkultur einfangen zu können. Bei neun verschiedenen Spielorten rund um Rathaus und Große Bergstraße wird sich schon etwas Kurzweil finden.

Findet sich auch sofort, auf der Wiese vor dem Stuhlmannbrunnen. Le Ballerine Walking Act nennt sich das, wenn die Damen vom Teatro Pavana auf Ballerinastelzen durch die Gegend wackeln und mit ihren bunten Klamotten wedeln. Spektakulär bunt, wie die Damen selbst. Mach ich viele bunte Fotos, das ist schick allet hier. Klickediklick bis es blinkt, Speicherkarte voll. Das ist mir echt lange nicht passiert, aber knappe einhundert Meter vor dem nächsten Merkwürdigen Markt auch kein Beinbruch.

Zurück auf der Wiese treffe ich ein paar Leute aus der Gegengerade und nutze das zu einer kleinen Pause mit Fussiklönschnack, Streuobstbionade und gefülltem Lillebrød, der neuesten Kreation des gewaltigen Foodtruckmarktes. Zusammen sehen wir bei der Vorbereitung des nächsten Aktes zu, doch das zusammendengeln der winzigen runden Bühne zieht sich. Wir ziehen hundert Meter weiter zu den musikalischen Clowns aus Polen, die mit viel Rauch und Getöse eine Bierpipeline zusammenbauen, Grillwürste mit der Säge bearbeiten, Astra mit Tyskie mischen und das ganze zwei Opfern aus dem Publikum kredenzen.

Zum schreien komisch, ist es nicht? Ist es nicht. Spektakuläre Aufnahmen sind da auch nicht drin, es sei denn der Wohnwagen fackelt noch ab, aber das ist eher nicht zu erwarten, also verabschiede ich mich in Richtung Große Bergstraße. Dabei laufen mir Blaas of Glory über den Weg, Heavy Metal mit Blasinstrumenten, blöderweise gerade Europas finaler Countdown und blöderweise das letzte Stück im Programm, denn sie laufen dabei zu ihrem Auto und packen ein. Vielleicht hätte ich doch mal ins Programmheft gucken sollen..

Am nächsten Spielort gibt es irgend etwas mit Akrobatik, vielleicht sogar in der Luft, wenn hier gleich die Aerial Dance Company auftritt. Vielleicht waren die aber auch vorher dran, denn von den drei Akrobaten kann zwar eine ganz flink an den Stangen hochturnen und wieder herunterrutschen, aber der Rest spielt sich überwiegend auf oder unter dem Bett ab. Viel Kissen, wenig Kissenschlacht und dann noch alles in schwarz und weiß, das macht nicht nur die Akrobaten müde. Noch eine Stunde bis zur Parade mit den Leuchtekostümen...

Auf dem Goethe-Platz spielt Fraser Hooper, den kenne ich zwar schon, aber der ist lustig. Vor allem die Kinder finden den lustig und natürlich die vielen Eltern der vielen Kinder, nur mit der kleinen Dreadlocklady hat er heute Pech. Die nuckelt völlig verträumt weiterhin an ihren Fingern und schenkt dem komischen Onkel nicht die geringste Beachtung. Damit ist sie auch gleichzeitig die lustigste Person die ich heute gesehen habe, noch vor Fraser Hooper. Kriegt auch mit Abstand die meisten Lacher.

Noch eine halbe Stunde bis zur Leuchteparade..

tbc.

Fotos dazu: Teatro Pavana, Muzikanty Straßentheater, Irgendwer mit Akrobatik, Fraser Hooper
Bier dazu: Crew Republic In Your Face, West Coast IPA, 6.8%
Musik dazu: Pearl Jam - Backspacer / Lightning Bolt