Samstag, 24. Juni 2017

Die weiße Parade
















Einer der Höhepunkte des STAMP Festivals soll die weiße Parade sein, die am Samstag Abend um 22 Uhr vom Bruno-Tesch-Platz bis zum Festivalzentrum läuft - und nur aus diesem Grund hänge ich hier immer noch rum und suche einen günstigen Platz zum fotografieren. Wie ungefähr hundert andere Menschen auch, die meisten mit Smartphones bewaffnet.

Wahrscheinlich ist es gar nicht mal so eine blöde Idee so etwas zu filmen, bei den Fotos muss man wieder so viel am ISO Regler rumschrauben. Jedenfalls wenn man sich wegen des schöneren Hintergrundes unter Bäume begibt, die das spärliche Restlicht schlucken. Auf Fotos fehlt auch immer etwas die Geräuschkulisse, denn selbstverständlich kommt auch die weiße Parade nicht ohne Taramtamtam aus.

Dabei wäre der Lärm gar nicht nötig gewesen, leuchtende Menschen auf Stelzen sind ohnehin kaum zu übersehen. Die Parade ist schon aus großer Entfernung auszumachen, braucht aber dennoch recht viel Zeit für die Strecke, was einem die Gelegenheit gibt immer mal wieder ein paar Schritte zu gewinnen. Dadurch zieht sich der ganze Spaß allerdings auch ziemlich in die Länge und nach einer halben Stunde rennen und knipsen bin ich kaputt. Muss reichen für heute.

Nächstes Jahr bin ich eh garantiert wieder hier. Wo kriegt man sonst schon leuchtende Menschen zu sehen? 


Fotos dazu: STAMP Festival 2017, Weiße Parade
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, Red IPA, 6.7%
Musik dazu: 17 Hippies - Sirba / El Dorado













 


Dienstag, 20. Juni 2017

Street Arts Melting Pot
















Zum Altonale Straßenfest habe ich es in den letzten Jahren eigentlich immer geschafft, nur das im Vorwege stattfindende STAMP Festival mit seinen Paraden verpasse ich regelmäßig, wegen der unchristlichen Zeiten. Wer die Weiße Parade am Samstag sehen will muss bis mindestens 23 Uhr durchhalten, da kann zumindest ich nicht einen halben Tag vorher durch die Gegend laufen. Folglich fahre ich erst am späten Nachmittag los, in der Hoffnung trotzdem noch etwas Straßenkultur einfangen zu können. Bei neun verschiedenen Spielorten rund um Rathaus und Große Bergstraße wird sich schon etwas Kurzweil finden.

Findet sich auch sofort, auf der Wiese vor dem Stuhlmannbrunnen. Le Ballerine Walking Act nennt sich das, wenn die Damen vom Teatro Pavana auf Ballerinastelzen durch die Gegend wackeln und mit ihren bunten Klamotten wedeln. Spektakulär bunt, wie die Damen selbst. Mach ich viele bunte Fotos, das ist schick allet hier. Klickediklick bis es blinkt, Speicherkarte voll. Das ist mir echt lange nicht passiert, aber knappe einhundert Meter vor dem nächsten Merkwürdigen Markt auch kein Beinbruch.

Zurück auf der Wiese treffe ich ein paar Leute aus der Gegengerade und nutze das zu einer kleinen Pause mit Fussiklönschnack, Streuobstbionade und gefülltem Lillebrød, der neuesten Kreation des gewaltigen Foodtruckmarktes. Zusammen sehen wir bei der Vorbereitung des nächsten Aktes zu, doch das zusammendengeln der winzigen runden Bühne zieht sich. Wir ziehen hundert Meter weiter zu den musikalischen Clowns aus Polen, die mit viel Rauch und Getöse eine Bierpipeline zusammenbauen, Grillwürste mit der Säge bearbeiten, Astra mit Tyskie mischen und das ganze zwei Opfern aus dem Publikum kredenzen.

Zum schreien komisch, ist es nicht? Ist es nicht. Spektakuläre Aufnahmen sind da auch nicht drin, es sei denn der Wohnwagen fackelt noch ab, aber das ist eher nicht zu erwarten, also verabschiede ich mich in Richtung Große Bergstraße. Dabei laufen mir Blaas of Glory über den Weg, Heavy Metal mit Blasinstrumenten, blöderweise gerade Europas finaler Countdown und blöderweise das letzte Stück im Programm, denn sie laufen dabei zu ihrem Auto und packen ein. Vielleicht hätte ich doch mal ins Programmheft gucken sollen..

Am nächsten Spielort gibt es irgend etwas mit Akrobatik, vielleicht sogar in der Luft, wenn hier gleich die Aerial Dance Company auftritt. Vielleicht waren die aber auch vorher dran, denn von den drei Akrobaten kann zwar eine ganz flink an den Stangen hochturnen und wieder herunterrutschen, aber der Rest spielt sich überwiegend auf oder unter dem Bett ab. Viel Kissen, wenig Kissenschlacht und dann noch alles in schwarz und weiß, das macht nicht nur die Akrobaten müde. Noch eine Stunde bis zur Parade mit den Leuchtekostümen...

Auf dem Goethe-Platz spielt Fraser Hooper, den kenne ich zwar schon, aber der ist lustig. Vor allem die Kinder finden den lustig und natürlich die vielen Eltern der vielen Kinder, nur mit der kleinen Dreadlocklady hat er heute Pech. Die nuckelt völlig verträumt weiterhin an ihren Fingern und schenkt dem komischen Onkel nicht die geringste Beachtung. Damit ist sie auch gleichzeitig die lustigste Person die ich heute gesehen habe, noch vor Fraser Hooper. Kriegt auch mit Abstand die meisten Lacher.

Noch eine halbe Stunde bis zur Leuchteparade..

tbc.

Fotos dazu: Teatro Pavana, Muzikanty Straßentheater, Irgendwer mit Akrobatik, Fraser Hooper
Bier dazu: Crew Republic In Your Face, West Coast IPA, 6.8%
Musik dazu: Pearl Jam - Backspacer / Lightning Bolt















Sonntag, 18. Juni 2017

Old Schmetterling




Gesehen auf der Nachtparade, Street Arts Melting Pot, Auftakt der Altonale 2017. Erst konnte ich mich nicht recht aufraffen, jetzt hab ich so viel Aufnahmen im Kasten das die Auswahl schwer fällt - und morgen ist auch noch ein Tag. Mit Straßenparade. Ich liebe Straßenparaden, ganz besonders die mit Kostümgedöns.

Aber nicht wenn die um Sonntags um 13 Uhr starten.

Foto dazu: Nikon D90
Bier dazu: Ratsherrn Lazy in Red, IPA 6.7%
Musik dazu: Bokanté - Strange Circles

Sonntag, 11. Juni 2017

Sägewerk-Rocker
















Vom größten und großartigsten Independent-Open-Air der Welt schreibt der Pappenheimer in seinem Blog und das ist ein wenig übertrieben, jedenfalls was die Größe angeht. Großartig ist es manchmal aber schon, vor allem wenn die Sonne scheint und die Sauerländer Blumenkinder verzückt durch die Wiesen taumeln, was in den letzten Jahren leider selten vorkam. Also das mit dem Sonnenschein. 

Großartig ist es manchmal auch auf der Bühne, wenn eine der vielen unbekannten Bands weitaus mehr begeistern konnte als man erwartet hat. Da fast immer (mir) unbekannte Bands auf diesem Festival spielen und das Programm sehr oft zwischen Ska, Punk und Skapunk liegt erwarte ich in der Regel nicht viel. Außer etwas spaßigen Lärm vielleicht, dem man sich am besten gechillt auf der Wiese hingibt, wenn sie denn trocken ist. 

In den letzten Jahren hat sich allerdings eine gewisse Müdigkeit bei mir eingeschlichen, was großartige Independent-Festivals mit unbekannten Bands betrifft. Wie schon im letzten Jahr nehme ich mir vor, spätestens nach dem obligatorischen Auftritt der Immecke Allstars zu gehen. Am besten schon vor der obligatorischen Zugabe, solange alle noch Iggys Passenger mitsingen bekommt man noch ein Taxi.

Wer konnte schon ahnen, dass in diesem Jahr wirklich alle Bands einschlagen. Von Ze Gran Zeft aus Frankreich kriegen wir nur noch die letzten drei Stücke mit, aber von dem Hippeldihopcrossovermetalgedöns hätte ich doch gerne mehr gehört, geht gut ab. Erst mal Bier holen und auf der Wiese was rauchen, wat gibbet denn als nächstes? Ah, Skapunk, wer hätt's gedacht. Deutschsprachig, aus Unterfranken. Die sprechen Deutsch in Unterfranken? Muss ich meiner Schwester erzählen.

Und wieder eine Überraschung, Rafiki machen richtig viel Spaß, mit Gitarre, Bass, Drums und Gebläse auch amtlichen Sound, könnte ich noch hüpfen ohne schwere Gelenkschäden zu riskieren, ich wäre glatt in Versuchung. Skapunk fängt schnell an mich zu langweilen, aber den Auftritt der Jungs zieh ich durch bis zum Ende.

Auf die jungen Hüpfer folgen mit PC Herman & The Destroyers 100 Jahre Bühnenerfahrung. Joe Funk, Hank Shame und Frank the Tank haben nämlich schon in drölftausend anderen Bands gespielt.  Unter anderem auch bei den Immecke Allstars, weshalb mir zumindest Frank ziemlich bekannt vorkommt. Rockmusik für alte Säcke, also wie gemacht für mich, so richtig mit Gitarrensoli und allem Pipapo. Auch nicht übel, hier kommt man zu keiner Pause.

Außer bei den Immecke Allstars, da gönne ich mir eine Currywurstpause, die habe ich schon dreimal zu oft gesehen. Auch wenn wieder der Dingens aus Schottland dabei ist, der gefühlt jedes zweite Mal dabei ist, ich kenne das Programm inzwischen auswendig. Ich brauch auch keine Coverversionen von den Foo Fighters, da mich schon das Original nicht aus den Socken haut. Wichtig ist eh nur, dass der Pappenheimer bei der Zugabe sein Lalala mitsingen kann. Eim se Passendschör, end ei reid end ei reid..la lala lalalalala was mach ich eigentlich noch hier? Wollte ich nicht jetzt in einem Taxi sitzen?

Glücklicherweise nicht, denn das Highlight des Tages hätte ich dann verpasst. Normalweise verzieht sich locker die Hälfte der Festivalbesucher nach den Allstars, doch auf Shirley Holmes (aus Bärlin!) sind nicht nur der Pappenheimer und ich neugierig, viele bleiben doch noch um sich "Heavy Chansons" anzuhören. Vielleicht aber auch für "Schnelle Nummern" vom zweiten Album, welche sie nun genau spielen erschließt sich mir nicht, denn schnell sind sie alle. Soll am Schlagzeuger liegen, der nicht langsam spielen kann, aber auch die beiden Mädels legen enorm los, wenn man jetzt noch die Texte verstehe könnte bei dem Lärm...

Punk ist doch noch nicht tot, die Mucke macht jedenfalls richtig Laune. Fotografieren nicht so, weil man laufend einen fliegenden Menschen ins Kreuz bekommt vor der Bühne, weshalb ich das nach den ersten beiden Stücken auch wieder aufgebe und mich auf das Wesentliche konzentriere. Das ist leider viel zu kurz, weil noch irgendwelche babylonischen Betrüger auf die Bühne sollen, um den Laden mit Reggae in den Schlaf zu wiegen. Doch sogar das hören wir uns noch für zehn Minuten an, bei den ganzen Überraschungen heute weiß man ja nicht. Die Entscheidung für das Taxi fällt aber relativ schnell.
Shirley hat abgeräumt.

Manchmal ist das (wahrscheinlich) größte Independent-Open-Air des Sauerlands wirklich großartig. Sogar auf der Bühne des Sägewerks.

Fotos dazu: 27. Immecke Open Air, Rafiki, Joe Funk, Frank the Tank, Shirley Holmes
Bier dazu: Hopper Bräu Landgang, Pils, 4.9%
Musik dazu: Shirley Holmes - Schnelle Nummern














 

Dienstag, 6. Juni 2017

Die Neue














Philipp und Cenk haben unterschrieben, Mats, Bernd, Sami und Clemens auch. Nur ich hätte es beinahe vergessen, dabei ist die neue Dauerkarte ohne Unterschrift auf der Rückseite gar nicht gültig.

Mit der Vorderseite hingegen kann man scheinbar machen was man will, man wird sogar dazu aufgefordert sie selber zu gestalten und bekommt dafür zwei Bögen Sticker mitgeliefert (ohne Aufpreis!). Das ist zwar nur so semi-kreativ, aber ideal für Menschen ohne künstlerisches Talent. Gut für mich also, da ich schon als Kind nie über Malen mit Zahlen hinausgekommen bin.

Sollte man mit seinem Design irgendwann nicht mehr zufrieden sein kann man das leicht ändern, im Laufe der Saison soll es sogar neue Motive geben. Wer dann immer noch nichts findet kann ja ein Foto seiner Katze draufkleben, verboten ist das glaube ich nicht.

Die Meinungen sind natürlich mal wieder gespalten. Die einen finden das einfallslos, albern und peinliche Hipsterscheiße, die anderen wollen schon eine Tauschbörse einrichten, weil von jedem Buchstaben nur maximal zwei vorhanden sind. Letzteres kann ich sogar verstehen, denn man könnte zwar problemlos ein dickes ACAB auf seine Karte pappen, aber für ACABAB reicht es dann nicht mehr.

Ganz egal wie das Ding am Ende aussieht, wichtig ist ohnehin nur, dass man damit ins Stadion kommt. Kann losgehen.


Bier dazu: Ratsherrn Dark Lantern, Pumpkin Ale, 6.5%
Musik dazu: Frank Carillo & The Bandoleros - Bad Out There